„Allein, Alleiner, Alleinerziehend“: Ein Interview mit Christine Finke

Christine-Finke-PortraitChristine Finke ist promovierte Sprachwissenschaftlerin, Stadträtin in Konstanz und eine sehr engagierte Bloggerin. Neben der Arbeit prägen aber auch drei Kinder ihren Alltag. Christine ist alleinerziehend und meistert den Familienalltag mit einem ungewöhnlichen Engagement. Und weil sie selbst weiß, wie schwer es ist, die täglichen Herausforderungen zu bewältigen, sind Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Anliegen von Alleinerziehenden die Themen ihres Lebens. Christine bloggt auf Mama-Arbeitet.de und ist ebenso bei Facebook zu finden. Über den täglichen Wahnsinn in der Familie twittert Christine mal ernsthaft und mal lustig unter @Mama_arbeitet.

Christine hat nun ihre Gedanken in ihrem Buch „Allein, alleiner, alleinerziehend“ niedergeschrieben. Ich durfte ihr ein paar Fragen dazu stellen.

Allein, alleiner, alleinerziehend

  1. Alleinziehende sind in meinen Augen wirkliche Alltagshelden. Was Sie täglich leisten, kann ich dennoch nur erahnen. Welche Herausforderungen sind aus Ihrer Sicht die größten für Alleinerziehende?

Christine Finke: „Das lässt sich mit der Formel Geldnot + Zeitnot = Überlastung recht gut zusammenfassen. Die Hälfte der Alleinerziehenden erhält keinen Unterhalt, ein weiteres Viertel nur unregelmäßig oder zu wenig Unterhalt fürs Kind. Und nur jede vierte Alleinerziehende kann sich auf angemessenen Unterhalt verlassen. Also müssen Alleinerziehende besonders viel arbeiten, falls sie überhaupt einen Job finden. Viele leben auch über Jahre von Hartz IV, was für die Entwicklung der Kinder auch nicht gut ist.“

  1. Leider sehen sich viele alleinerziehende Eltern gesellschaftlich aber auch immer wieder Vorurteilen ausgesetzt. Welche Erfahrungen haben Sie mit Ignoranz oder Ablehnung gemacht? Können Sie sich erklären, was dazu führt?

Christine Finke: „Das sind Jahrhunderte alte Vorurteile, die noch in den Köpfen herumspuken. Die Alleinerziehende ist eine Frau, die es nicht geschafft hat, ihre Ehe zu erhalten, oder die sich von jemandem schwängern ließ, der nicht zuverlässig ist. Schuld daran trägt natürlich die Frau, nicht der Mann. Mir ist es nach der Trennung so gegangen, dass ich fast den gesamten Freundeskreis verlor und auch nirgendwo mehr eingeladen wurde. Manche Leute wechselten sogar extra die Straßenseite, wenn sie mich kommen sahen. Und auf dem Arbeitsmarkt gelten Alleinerziehende als unzuverlässig und schwer vermittelbar.“

  1. Neben gesellschaftlichen Befindlichkeiten gibt es aber auch oft strukturelle Nachteile, mit denen alleinerziehende Eltern zu kämpfen haben. Was sind dabei die größten Ungerechtigkeiten und wie können diese angegangen werden?

Christine Finke: „Kurz und knapp: die fehlenden Unterhaltszahlungen müssen entweder eingetrieben werden oder vom Staat übernommen. Und zwar nicht nur für maximal 6 Jahre und bis zum Alter von 12. Die Besteuerung fast wie ein Single geht GAR nicht, wir brauchen ein Familiensplitting oder erhöhtes Kindergeld für Alleinerziehende. Und dann sollte auch nicht das halbe Kindergeld dem Vater zustehen und der halbe Kinderfreibetrag auf seiner Lohnsteuerkarte stehen. Dass kinderlose Verheiratete hingegen vom Ehegattensplitting profitieren, ist höchst ungerecht, denn Alleinerziehende ziehen zukünftige Rentenzahler groß, sind aber überproportional von Steuern belastet, wenn sie berufstätig sind.“

  1. Sie sind publizistisch und politisch sehr stark engagiert. Was motiviert Sie dazu und welche Rückmeldungen bekommen Sie von Ihren Lesern?

Christine Finke: „Das hat viel mit Frustabbau zu tun und mit dem Gefühl, nicht nur ohnmächtig zu sein, sondern eben doch etwas ändern zu können, auch wenn es lange dauert und mühsam ist. Aber die vielen herzlichen Rückmeldungen von Leserinnen und auch aus den Reihen der Politik geben mir auch viel Rückenwind. Ich denke mir halt: Wenn wir die Dinge ändern wollen, müssen wir laut und deutlich sagen, wo es hakt. Den Finger in die Wunde legen und zeigen, dass es um ein großes gesamtgesellschaftliches Problem geht, das sich nicht einfach in Luft auflöst, wenn man wegguckt.“

  1. Ich erlebe Sie über Ihren Blog und Twitter als eine sehr starke Frau, die ständig unter Strom steht, aber dennoch alles zu schaffen scheint. Gibt es bei Ihnen auch Momente, in denen Sie an Ihre Grenzen kommen?

Christine Finke: „Solche Momente gibt es immer mal wieder, oft wenn die Kinder in den Wintermonaten viel krank werden, meine Aufträge als Selbstständige aber trotzdem fertig werden müssen und ich einfach überhaupt keine ruhige Minute für mich habe, weil die Kinder mich fast rund um die Uhr brauchen. Wenn ich selbst krank werde, dann ist das der Super-GAU. Ich ziehe die 3 Kinder ja seit über 6 Jahren völlig alleine groß, ganz ohne Unterstützung vom Vater, und das schlaucht einen schon auf Dauer, auch wenn es jetzt mit fortschreitendem Alter der Kinder zunehmend einfacher wird. Die ersten Jahre war ich oft kurz vor dem Burn-Out.“

  1. Können Sie einen ganz persönlichen Rat an alle Alleinerziehenden geben, der Ihnen in besonders schweren Momenten geholfen hat?

Christine Finke: „Hol dir alle Hilfe, die du finden und bekommen kannst, sei es von Therapeuten, Beratungsstellen, aus dem Internet, wo es Alleinerziehenden-Netzwerke gibt und sag auch deinen Nachbarn und Freunden offen, wie es dir geht. Nicht so tun, als sei alles gut und du immer stark – und versuche für möglichst viel Schlaf und gutes Essen für dich zu sorgen. Du brauchst deine Kräfte.“

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

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Anja

Anja ist Mutter von zwei reizenden Mädchen (4 und 8 Jahre). Besonders durch ihre Töchter kann sie die Welt wieder mit Kinderaugen sehen. Die große Phantasie, die Lust am Spiel und Bewegung jeder Art beeindrucken sie an Kindern besonders. So macht es ihr viel Freude, über Themen rund um das Familienleben zu schreiben.

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