Jedes Kind kann schlafen lernen – wirklich?

Bestimmt habt Ihr auch schon einmal von der Ferber-Methode gehört. Unter diesem Namen ist sie allerdings gar nicht so bekannt. Wenn Ihr aber den Spruch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ hört, werden den meisten von Euch die Ohren klingeln. Mit dieser Methode, die mit der Veröffentlichung des gleichnamigen Buches Einzug in viele Kinderzimmer hielt, soll angeblich jedes Kind lernen, alleine ein- und vor allem durchzuschlafen. Kurz umrissen funktioniert das folgendermaßen: Das Kind wird wach zu Bett gebracht, nach einem kurzen Einschlafritual verlässt die Mutter den Raum. Wenn das Baby im Bettchen schreit, wird es nicht herausgenommen, sondern erst eine Weile schreien gelassen, bis die Mutter wieder zum Zimmer geht, aber das Kind nicht auf den Arm nimmt, sondern von der Tür aus verbal beruhigt, bis es aufhört zu weinen. Der Abstand zwischen dem Weinen und der Reaktion der Mutter soll jedes Mal ein wenig vergrößert werden. Ziel der Methode soll sein, dass das Kind lernt, sich selbst zu beruhigen, sich aber trotzdem der Anwesenheit der Mutter gewiss sein kann. Klingt eigentlich vernünftig. Und wer hat noch nie von Oma oder Opa den Rat „Einfach mal schreien lassen, sonst hast du niemals deine Ruhe“ gehört? Kritiker, darunter auch Kinderärzte, sind aber dennoch nicht von der Methode überzeugt, u.a. aus folgenden Gründen:

  • Den Eltern wird suggeriert, dass nächtliches Weinen allein das Resultat ihres „Verwöhnens“ sei.
  • Kinder in jungem Lebensalter brauchen oft noch eine nächtliche Mahlzeit. Dies wird hier ignoriert. Hungerschreien kann hier als bloßes „Gemeckere“ fehlinterpretiert werden.
  • Das Urvertrauen des Kindes kann einen Knacks bekommen, wenn es erfährt, dass es mit seinen Bedürfnissen allein gelassen wird.
  • Das Bauchgefühl der Eltern wird nicht ernst genommen, sondern die Reaktion auf das Weinen des Kindes reglementiert und systematisiert.

Meine eigenen Erfahrungen mit der Ferber-Methode beschränken sich auf einen einzigen Abend. Zunächst musste ich mich schwerstens überwinden, meine Tochter auch nur kurz schreien zu lassen. Ich war nämlich von der Sorte Mutter, die bei jedem Geräusch ans Bettchen stürmte, um mich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist. Schon beim kleinsten Anflug von Jammern nahm ich sie stets zu mir ins Bett. Irgendwann wollte ich dann aber auch mal länger aufbleiben als mein Kind, ohne vorher eine Stunde mit Einschlafbegleitung zu verbringen. Das Weinen aus dem Schlafzimmer machte mich schon nach einer Minute fast verrückt, ich kam mir vor wie die schlimmste Rabenmutter. Die Sache mit dem verbalen Beruhigen von der Tür aus funktionierte überhaupt nicht. Nach 15 Minuten verließ ich den Raum, und sie hatte immer noch nicht aufgehört zu weinen. So machte ich natürlich die ganze Technik kaputt. Nach weiteren 10 Minuten Heulerei (ich war auch nah dran, weil ich mir vorkam wie der herzloseste Egoist auf Erden) gab ich auf und holte sie zu mir, innerlich auf die Ferber-Methode schimpfend, von der ich ab da nichts mehr wissen wollte.

Heute ist meine Tochter sechs Jahre alt und kann manchmal gut alleine einschlafen, manchmal nicht. Genau so wie jedermann. Wir sind alle verschieden, uns aber in vielen Punkten auch sehr ähnlich – wir wollen alle nicht einsam sein, wenn wir Nähe brauchen. Ich bereue nicht, dass sie immer in mein Bett kommen durfte und auch immer noch darf. Alleine wachliegen muss man als Erwachsener noch oft genug. Und so lange ich ihr noch Geborgenheit geben kann, werde ich das tun.

(Anm. der Redaktion: Kinder und Familie ist ein unglaublich breites und spannendes Themenfeld, das viel Raum für Erfahrungsaustausch und Diskussion bietet. Unser Redaktionsteam besteht aus verschiedenen Autorinnen und Autoren, die gerne persönliche  Erfahrungen und Meinungen teilen und sich auf den Dialog mit den Leserinnen freuen. Die in den Blogartikeln vertretenen Meinungen entsprechen in erster Linie der Sichtweise der jeweiligen Autorin bzw. des jeweiligen Autors.)

Nachtlichter
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Iris

Mit Kinder- und Familienthemen kennt Iris sich dank ihrer bezaubernden Tochter bestens aus. Die heute Fünfjährige hat ihr Leben komplett umgekrempelt. Neben ihrer Tochter liebt Iris vor allem Wörter - und die Möglichkeit, beim Bloggen ihr Wissen zu teilen und wichtige Themen bekannter zu machen.

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