Psychologe Rainer berät: Wenn Eltern sich trennen

Nachhaltiger Schaden für die Kinder?

Es gilt als sicher, dass Kinder aus Trennungsfamilien eine gute Chance haben, die Trennung der Eltern langfristig unbeschadet zu überstehen. Sie sind dann auch nicht in ihrer späteren eigenen Beziehungsgestaltung beeinträchtigt und stehen in ihrer Entwicklung Kindern aus sogenannten intakten Familien in nichts nach.

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Eine gute Chance haben sie dann, wenn sich die Eltern gütlich trennen oder zumindest ihren elterlichen Umgang miteinander und ihre Absprachen frei halten können von gegenseitigen Abwertungen, Wut und Enttäuschungen aus der Partnerschaft. Wer dagegen zusammen bleibt, obwohl immer wieder Konflikte vor den Kindern ausgetragen werden,  schadet den Kindern nachweislich in ihrer Entwicklung. Selbstverständlich spielt eine große Rolle, wie alt die Kinder zum Trennungszeitpunkt sind und wie z.B. die Elternrollenverteilung bis dahin ausgesehen hat. Jeder Einzelfall hat seine Besonderheiten!

Wie sagen wir es den Kindern?

Als Gutachter für Familiengerichte konnte ich oft feststellen, dass in hoch strittigen Fällen viele Trennungen eine lange Entwicklungsgeschichte haben mit Androhungen und kleineren Trennungsaktionen bis hin zu wieder rückgängig gemachten Auszügen aus der gemeinsamen Wohnung.

Wohl dem Kind, dessen Eltern ab einem bestimmten Zeitpunkt gemeinsam die Trennung wollen. Diese Eltern haben vielleicht auch den kühlen Kopf, gemeinsam zu überlegen, wann und wie sie es den Kindern sagen. Das Gespräch sollte mindestens eine Woche vor der Trennung stattfinden, frühestens aber ein bis zwei Monate vorher. Je älter die Kinder sind, desto länger kann die Vorlaufzeit sein.

Da sitzt nun die Familie zusammen und die Eltern versuchen, auf einer dem Alter der Kinder gemäßen Verständnisebene- schon mit Zweijährigen kann so ein Gespräch Sinn machen- zu erklären, dass sie sich zu oft streiten, nicht mehr gut miteinander reden können, oft Ärger miteinander und sich nicht mehr richtig lieb haben. Sie sagen, dass jetzt Papa (oder Mama) eine andere Wohnung sucht (oder in eine andere Wohnung zieht), welche die Kinder bald kennenlernen können. Die Eltern wählen Worte und Beispiele, die Kinder schon verstehen können und selbst benutzen, wenn sie von Freundschaften und Streitereien mit anderen Kindern erzählen.

Es ist wichtig zu versichern, dass Mama und Papa als Eltern weiterhin zusammenhalten und gemeinsam alles tun werden, damit es den Kindern gut geht.

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Auf jeden Fall muss vermieden werden, dass die Kinder völlig unvorbereitet mit der Trennung konfrontiert werden. Als Erziehungsberater und Therapeut habe ich oft Kinder behandelt, die sich lange Zeit ängstlich und misstrauisch an den nach der Trennung hauptsächlich verbliebenen Elternteil anklammerten. Sie hatten Angst, er könnte auch noch weggehen. Wir können Kindern keine Garantien geben, dass alles so bleibt, aber die Sicherheit, dass jede wichtige Veränderung nach Möglichkeit immer mit ihnen rechtzeitig besprochen wird.

Wie mit den Gefühlsreaktionen der Kinder umgehen?

Die meistens etwas verkrampfte und alle Seiten überfordernde  Gesprächssituation ist eine Sache, der dadurch bei den Kindern ausgelöste Gefühlsprozess eine andere: weitere Fragen, Widerstand, Wut, Angst, Trauer, Rückzug, Wechsel in der Stoßrichtung ihrer Gefühle, alles ist möglich und Bestandteil der Versuche von Kindern, ihr Gleichgewicht wieder zu finden. Ob abends, nachts und auch tagsüber: für diese Gefühle sollten die Eltern zunächst da sein und sie akzeptieren. Der beste Trost ist wohl, das Kind in den Arm zu nehmen. Man darf auch gemeinsam mit ihm traurig sein, wütend, hilflos und unsicher. Am Ende aber sollte die Zuversicht stehen: zusammen schaffen wir das.

Schulkinder kennen andere, die schon eine Trennung erlebt haben. Es kann hilfreich für Kinder sein, sich mit anderen darüber zu unterhalten.

Was mache ich mit meiner eigenen Wut, Enttäuschung, Angst, Hilflosigkeit?

Manchmal sind Elternteile so stark in ihren eigenen Gefühlen verhaftet, dass sie keine Zuversicht vermitteln können und viele Kinder haben Gespür für einfach Dahingesagtes. Besser eine Mutter, die weinend über ihre Gefühle spricht als eine stille Mutter mit ständig verweinten Augen.

Bis zu einem gewissen Grad sei gestattet, dem Kind gegenüber die eigene Traurigkeit, Angst oder Zornigkeit auszudrücken, aber ohne dem anderen Elternteil die Schuld zu geben. Das ist schwierig, die Verlockung ist groß, das Scheitern dem anderen Elternteil anzulasten, besonders wenn man die eigenen Anteile nicht sieht.

Viele erliegen der Versuchung, im Kind einen Helfershelfer gegen den anderen Elternteil zu gewinnen, das ist auch eine Form von Missbrauch. Verfährt der andere Elternteil genauso,  steht das Kind nicht nur zwischen den Fronten, sondern wird schnell Hauptwaffe im Parteienstreit.

Wenn ich vor dem Kind meine Gefühle nicht mehr kontrollieren kann, muss ich mir andere Wege suchen: Gespräche mit Freundinnen, Freunden, Eltern, in denen ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen kann, Selbsthilfegruppen, therapeutische Hilfe.

Gerade bei strittigen Eltern kommt es oft vor, dass ein Kind zunächst einen Elternteil nicht mehr oder nur unter stark eingeschränkten Bedingungen sehen will. Unterstützt und fördert der andere Elternteil die Kontaktahnbahnung oder -Erweiterung – wie es eigentlich das Familienrecht vorschreibt -, dann entwickelt sich auch wieder eine Beziehung zum Besuchsberechtigten, wenn dieser Geduld und Geschick aufbringt.

Welche Umgangsregelung ist die beste?

Wer nach der Trennung in welchem Umfang die Kinder betreuen und versorgen soll, das ist sicher auch davon abhängig,  wie bisher die Elternrollenverteilung war und wie die Betreuung mit Arbeitszeiten in Einklang zu bringen ist. Ich halte es nur in einer kürzeren Übergangsphase für sinnvoll, eine hälftige Aufteilung von Kindern zu vereinbaren. Dieses Arrangement ist äußerst abspracheintensiv, häufige Komplikationen können nur von sehr gut harmonierenden Elternpaaren überwunden werden. Es ist ein Kompromiss, der in erster Linie den Eltern dient, wenn beide Wohnungen nicht weit voneinander entfernt sind. Gegen Ende der Vorschulzeit entwickeln Kinder ein Bedürfnis nach einem Lebensmittelpunkt und einem zusätzlichen „Nestort“. Zum Lebensmittelpunkt gehören die wichtigsten Spielsachen, das ist die Wohnung, in die andere Kinder eingeladen werden usw. Im Grundschulalter akzeptieren sie auch zunehmend weniger, dass ihr Lebensrhythmus von Vereinbarungen der Eltern diktiert wird. Die Kinder werden zur dritten Kraft, die mitentscheiden möchte und vielleicht auch sollte, wo und wann sie sich mit Gleichaltrigen verabreden kann, wo ihr Schreibtisch steht oder der Käfig für den Hamster, den sie jeden Morgen versorgen wollen, usw. Also ist ein Lebensmittelpunkt und eine weitere Wohnung, in der sie sich zusätzlich heimisch fühlen können, sicher die nachhaltigste Lösung.

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Nach meinen Erfahrungen ist ein Besuchswochenende alle zwei Wochen und, falls es Arbeitszeiten erlauben, zwei Tage in der besuchsfreien Woche in aller Regel eine sinnvolle Lösung: beiden Elternteilen bleibt ein Wochenende zur kinderfreien Gestaltung und bei beiden Elternteilen erlebt das Kind auch den Alltag.

Feiertags- und Ferienregelungen sollten frühzeitig vereinbart werden, dabei müssen aber Freiräume für die Eigeninteressen älterer Kinder mitbedacht werden.

Häufig unterschätzt: Was ist, wenn bei sich ergänzenden Elternpaaren ein Elternteil nach der Trennung wegfällt?

Elternteile können sich vor der Trennung bei großer Unterschiedlichkeit bei der Erziehung ergänzt haben.

Wenn jetzt das eine Element wegbricht, ist es vielleicht dem anderen Elternteil kaum möglich, den Verlust zu ersetzen.

Ist die Mutter z.B sehr tüchtig, gewissenhaft, ernst und gefühlskontrolliert, der Vater war nach Meinung der Mutter ein Luftikus, der seine Vaterrolle darauf beschränkte, abends mit den Kindern herumzutoben, alles in Unordnung zu bringen und nur Quatsch zu machen, kann dieses Element in der Familie nach der Trennung fehlen.

War der Vater der ruhige, besonnene und ausgeglichene Paarteil, die Mutter gefühlsbetont, voller Ideen aber unausgeglichen und sprunghaft, kann es einem Elternteil nach der Trennung schwer fallen, für die Kinder den Verlust des anderen Elements auszugleichen.

Auch wenn es Merkmale sein können, deren Wert für die Erziehung von Kindern für sich allein nicht sehr hoch eingeschätzt werden müssen, können sie für das familiäre Gleichgewicht als Gegengewicht für das wenig ausgewogene Verhalten des anderen Elternteils eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt haben. Von daher sollte man auch den Umgang mit einem Elternteil fördern, der in seinem Erziehungsverhalten oder  in manchen persönlichen Eigenarten deutlich unter den eigenen Erwartungen bleibt.

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Rainer

Rainer ist unser Experte für psychologische Fragen. Er war vier Jahrzehnte lang Leiter einer Familienberatungsstelle. Jetzt im Ruhestand ist er am liebsten gemeinsam mit seiner Frau mit den 5 Kindern und 7 Enkelkindern zusammen, liest gern, wartet mit gärtnerischer Ungeduld auf den Frühling und zählt sich zu den eher berüchtigten Hobbyhandwerkern. Seiner Meinung nach wird das eigentliche Wohl von Kindern derzeit zu wenig gesehen.

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