#regrettingmotherhood – wenn Mütter ihre Kinder bereuen

Traurige Mutter_RahmenIst es als Mutter in Ordnung zu sagen, dass man es bereut, Kinder bekommen zu haben? Diese Frage hat mich und meine Kollegen die vergangenen Tage sehr bewegt. Anlass für unsere Debatte war ein Zeitungsartikel, der über den Hashtag #regrettingmotherhood berichtete. Unter diesem Stichwort wird auf Twitter eine Umfrage mit 23 israelischen Frauen diskutiert, die offen zugeben, dass sie ihre Mutterschaft bereuen.

Es ist nicht verwunderlich, dass eine solche Aussage polarisiert. Für die einen ist diese Meinung absolut nicht nachvollziehbar, denn für sie bedeutet das Aufgehen in der Mutterrolle das höchste Glück. Es gibt für sie nichts Erfüllenderes, als für Ihre Kinder da zu sein, und sie sind dankbar für jede Sekunde mit ihnen – ob in schönen Momenten oder in schwierigen Phasen. Die Gegenseite zeigt Verständnis für die Einschätzung der reuigen Mütter, bewundert deren Mut und freut sich, dass es möglich ist, in der heutigen Gesellschaft auch so eine unbequeme persönliche Meinung zu äußern.

Das sagen Mütter zur Debatte

Weil uns das Thema nicht losgelassen hat, haben wir einige Kolleginnen und auch die myToys-Facebook-Fans nach ihrer Meinung gefragt. Hier seht ihr ein paar Auszüge ihrer Gedanken:

Katja S.:

„Ich kann diese Aussage gar nicht nachvollziehen. Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen ich sauer, genervt, gereizt oder auch mal traurig bin, doch es gab bis jetzt keinen einzigen Augenblick, in dem ich das Muttersein bereut oder in Frage gestellt habe. Selbstverständlich bin ich glücklich, wenn ich mal Zeit für mich, meine Partnerschaft und Freunde habe und diese Zeit ohne meine Tochter genießen kann, doch nach einem Abend ohne sie vermisse ich sie und freue mich darauf, sie bald wieder bei mir zu haben. Ich finde, meine Tochter ist eine Bereicherung und keine Einschränkung meines Lebens! Kinder bringen uns teilweise an unsere Grenzen, aber sie zeigen uns, wie schön die Welt ist und geben einem jeden Tag das Gefühl, geliebt zu werden. Von einem Kind geliebt zu werden, ist ein unbeschreibliches Gefühl und deswegen bin ich jeden Tag dankbar und glücklich darüber, Mutter zu sein.“

Angela G.:

Schwanger„Ich bin jetzt 25 Jahre Mutter. Ich kenne das Gefühl gut, das einen von Zeit zu Zeit beschleicht: Wäre mein Leben besser ohne Kinder? Wo war ich definitiv in meiner Selbstverwirklichung blockiert, konnte nicht so, wie andere konnten? In meinem Umfeld war ich die Erste, die Kinder bekommen hat. Meine Freunde hatten dieses Thema lange Zeit noch nicht auf dem Schirm. Das hätte die Situation schwerer machen können, doch so war es dann gar nicht. Man befürchtet ja immer, dass alles Gewohnte von den einen auf den anderen Tag endet – gewohnt, flexibel und ungebunden den Tagesablauf gestalten zu können, viel auf der Piste zu sein und Nächte durchzumachen. Aber das gewohnte Leben war nicht abrupt zu Ende, sondern einfach nur anders.

Ja, den Job hab ich zweimal für 12 Monate unterbrochen und hab ihn dann jeweils auf 30 Stunden gekürzt (so war es weitaus entspannter) und ja, ich war von dem Moment an eigentlich nie allein unterwegs und um 21 Uhr war Zapfenstreich. Aber wo immer es ging, wurde das Kind mit eingebaut. Das kostete Kraft, aber so verlor ich nicht von heute auf morgen meine sozialen Kontakte und die Anbindung an die Dinge, die mir bis dahin wichtig waren. Ja, wir mussten uns manches Mal enorm strecken, in unseren Bedürfnissen und auch im Finanziellen. Und ja, ab dem Moment rückten auch andere Themen und Leute in den Fokus, was ich aber auch als Bereicherung empfand.

Aber es gab immer wieder (auch dann beim zweiten Kind) diese Momente, wo einem alles über den Kopf zu steigen drohte. Und da war dann die Frage: Haben es die Leute ohne Kinder nicht viel besser als wir? In vielem sind sie mit Sicherheit besser dran: Eine Karrierepause ist kein Thema für Kinderlose, finanzielle Engpässe gibt es mit Sicherheit seltener und sie haben ohne Ende Zeit für sich selbst. Aber ganz schnell gab es auf der Positivliste so viele Punkte, die uns sagten: Es war die richtige Entscheidung. Meine Kinder dienen nicht meiner Selbstverwirklichung, aber sie bereicherten mein Leben enorm – bis heute.

Ich war nie die Übermutter, die sich nur über ihr Muttersein definiert. Und aktuell fällt es mir auch leicht, wieder loszulassen (beide Kinder sind fast aus dem Haus). Schon seit mehreren Jahren kann ich mich beruflich wieder mehr einbringen und hab meine sogenannte Karriere nachgeholt. Es gibt für mich auch kein Loch, in das ich mental gefallen bin, weil ich jetzt keinen 24-Stunden-Kinderdienst mehr schiebe. Für mich und meinen Partner gab es in all den Jahren immer auch das Er, Sie, Es und Wir in friedlicher Koexistenz. Meine Kinder sind das größte Abenteuer in meinem Leben bis heute und ich liebe Abenteuer und bereue definitiv nichts.“

Anja H.:

„Ich selbst bin mir nicht sicher, wie ich dazu stehe. Prinzipiell finde ich aber, dass eine Mutter das Recht hat, ihre Entscheidung für Kinder zu bereuen. Entscheidend in dieser Diskussion ist, dass die Mütter nicht ihre Kinder bereuen, sondern unzufrieden mit ihrer Rolle als Mutter sind. Die in der Studie genannten Gründe sind sehr vielfältig und für mich nachvollziehbar. Die Mutterrolle ist in der heutigen Zeit mit vielen Idealen überfrachtet und die Anforderungen unendlich groß. Es gibt kein richtig oder falsch und die größten Kritiker sind die Mütter selbst. Scheinbar normale Themen, wie „Impfen“, „in der Öffentlichkeit stillen“, „Tragetücher“, „Vollzeitarbeit mit Kindern“ oder „frühe Fremdbetreuung“ sind Auslöser für wahre Netzkriege. Da kann man schon mal verzweifeln.

Frau und KinderwagenIch finde es legitim, wenn Frauen nicht in der Mutterrolle aufgehen. Aber so vielfältig und nachvollziehbar die Gründe der Mütter für mich sind, so ist ein Aspekt in der Diskussion viel entscheidender. Alle Mütter haben geäußert, dass sie ihre Kinder lieben. Und unsere uneingeschränkte Liebe ist doch das Wichtigste, was wir Mütter unseren Kindern geben können und müssen. Die Rahmenbedingungen der Mutterschaft sollen und dürfen diskutiert werden. Dabei sollte es keine Tabus geben – auch nicht, eine solche getroffene Entscheidung heute anders fällen zu würden… Denn nur, wenn wir darüber diskutieren, haben wir die Chance, an unserer Situation etwas zu ändern und uns im besten Fall glücklicher zu machen.“

Karina O.:

„Für jede zerbrochene Vase gibt es früher oder später ein Lächeln, für jede vollgekrümelte Couch strahlende Augen, für jede bemalte Wand ein lautes glückliches Lachen und für jede noch so große Dummheit ein: ‚Mama, ich hab dich lieb.‘ Das Beste, was nicht nur der Mama sondern der ganzen Familie passieren kann, sind doch Kinder! Was wäre das Leben ohne Stolpersteine und Umwege? Ob beruflich oder privat… Sie machen uns stärker und lehren uns zu schätzen, was wir haben. Jedes Ärgernis wird durch mindestens 10 schöne Erlebnisse ersetzt. Also ich bereue nicht, dass mir das Beste im Leben in Form eines kleinen Engels geschehen ist!“

Kathleen Z.:

„Ich bin Mutter von zwei Kindern und ich liebe meine Kinder und bereue nicht, sie bekommen zu haben. Aber mit dem Wissen von heute und 10 Jahre zurückversetzt würde ich keine Kinder haben. Nicht wegen der Belastung oder des Stressfaktors, sondern weil ich finde, dass Deutschland für mich persönlich keine sichere Zukunft für Kinder bietet. Natürlich fehlen einem die spontanen Sachen, das Ausgehen, das Ausschlafen usw., aber das ist reine Gewohnheitssache und ein ‚Mama ich hab dich lieb.‘ oder ein Lächeln wiegt das um Meilen auf. Ich sehe eher die Zukunft meiner Kinder in Gefahr.“

Melanie K.:

„Nein. Bereuen tue ich unsere Kinder nicht. Aber ich kann verstehen, dass es diese Mütter gibt. Wir mit bald 5 Kindern sind oft Anfeindungen und blöden Blicken und Kommentaren ausgesetzt. Weiter ist es auch finanziell nicht einfach und oft stehe ich auch da und stell mir die Frage, ob wir es richtig gemacht haben. Die heutige Gesellschaft ist sehr gegen Kinder eingestellt und gibt einem oft das Gefühl, als Eltern zu versagen. Ich kann diese Mütter durchaus verstehen.“

Monique v. T.:

„Mama zu werden, war die beste Entscheidung meines Lebens. Was gibt es Schöneres als strahlende Kinderaugen, das glückliche Lachen, die Worte „Mama, ich liebe dich.“ aus dem Mund seines größten Glücks? Ohne mein Kind wäre mein Herz und mein Leben einfach nur leer und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als Mama zu sein! Sie ist mein Herz, mein Leben, mein ganzes Glück, denn seit es sie gibt, weiß ich, was es heißt, bedingungslos zu lieben!“

Weitere Meinungen könnt Ihr auf unserer Facebook-Seite nachlesen oder Euch direkt das Buch zum Thema in unserem Shop ansehen:

Was haltet Ihr von der Diskussion? Ist es ok, zu sagen, dass man seine Mutterschaft bereut? Oder könnt Ihr das gar nicht nachvollziehen? Ich bin gespannt, Eure Meinungen zu lesen.

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Jeannine

Schon als Kind hat Jeannine die Familie regelmäßig zu Spielenachmittagen zusammengetrommelt. Auch heute noch begeistert sie sich für Ereigniskarten und Würfelberge, füllt ihre freie Zeit aber auch mit Basteln, Malen und Schreiben. Kein Wunder, dass Jeannines Mutter die Tochter bei Ausflügen mit ihrer Grundschulklasse gerne zur Seite hat.

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