Starke Frauen in Ost und West

Lange ist sie her, die Teilung Deutschlands, aber die Erinnerungen an das Leben in der früheren DDR und der damaligen BRD unterscheiden sich in einigen Punkten deutlich. Das wollte ich einmal genauer wissen und habe mich in unserem Büro auf die Suche nach Erinnerungen an starke Frauen in Ost und West gemacht. Unter die Lupe genommen habe ich schließlich Anja aus der Online-Redaktion, deren Familie aus Ostberlin stammt und Katharina (Marketing-Analytics), die in Süd- und damit auch Westdeutschland aufgewachsen ist. Beide waren so nett und haben mir auch noch tolle Fotos zur Verfügung gestellt.

Lassen wir uns zuerst von Anja in den Osten entführen und ein paar Details aus dem Leben ihrer Oma erzählen:

„Meine Oma ist Jahrgang 41, zwei Wochen nach der Teilung Berlins kam meine Mama, von politischen Unruhen unberührt, auf die Welt. Nur 1,5 Jahre später folgte ihr erster Bruder. Der zweite wieder 1,5 Jahre später. Meine Oma hatte vorerst alle Hände voll zu tun, wollte aber auch wieder selbst arbeiten. In ihrer Jugend hatte meine Oma Elektrikerin gelernt. Leidenschaftlich hat sie diesen Beruf aber nie ausgeübt. So entschied sie sich neben den drei eigenen und einem behinderten Pflegekind per Fernstudium Sonderpädagogik zu studieren. Und dieser Job war wie für sie gemacht.

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Anjas Oma mit Opas Roller

Meine Oma ist heute 73 Jahre alt, hat drei Kinder, vier Enkel und sechs Urenkel. Sie ist immer mit dem Rad unterwegs, voller Tatendrang und Zuversicht. Trotz ihrer sehr anstrengenden Tätigkeit in einer Behindertenschule hat sie nie die Lust an gemeinsamen Unternehmungen mit Kindern verloren. Sie ist mit uns Enkeln und auch jetzt mit den kleinen Urenkeln vom Park ins Kinder-Theater, von der Radtour bis zum Dänemark-Urlaub, vom Picknick bis zum Tierpark und von der Bibliothek bis zum Spielplatz. Oma hat uns überall hingeschleppt.

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Anja mit Cousin und Oma und Angst vor dem Weihnachtsmann

Neben ihrem Elan ist meine Oma einer der kreativsten Menschen, die ich kenne. Sie häkelt, strickt, zaubert aus alten Röcken süße Kinderkleider, bastelt Handpuppen, Pinguin-Türstopper und Schildkröten-Sitzkissen. Ich hoffe, dass meine Oma uns noch viele Jahre mit ihrer fröhlichen und unbeschwerten Art begleitet.“

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Anja mit ihrer Oma

Auch Anjas Mama hatte einige Herausforderungen zu bewältigen:

„Meine Mama war die älteste von drei Geschwistern und musste in der Familie schon früh mithelfen und Verantwortung übernehmen. Als meine Großeltern einige Jahre erst in Bagdad, dann in Kopenhagen und später in Oslo gearbeitet haben, musste meine Mutter in ein Internat. Auch da wurde sie zu Selbständigkeit angehalten.

Mit 17 Jahren hat sie meinen Vater kennen gelernt und kurz darauf angefangen Wirtschaft zu studieren. Noch im Studium habe ich mich angekündigt. Mein Vater war gerade 19 Jahre alt, meine Mutter 20. Meine Eltern hatten nur ein kleines Zimmer in der Wohnung der Uroma und nicht die besten Voraussetzungen für eine Familiengründung. Zu dieser Zeit musste mein Vater zudem zur NVA, seinen Grundwehrdienst leisten.

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Anjas Mama bei ihrer Verlobungsfeier

So musste meine Mama Studium und Baby zunächst allein bewältigen. Aber sie hatte schon früh gelernt auf eigenen Beinen zu stehen. Sie hat es gepackt. Früh um sechs Uhr in die Kinderkrippe und abends nach der Uni mit dem Fahrrad wieder abgeholt.

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Anja mit Schwester, Mama, Oma und Uroma

Meine Eltern haben später auch die Wende und die berufliche Neuausrichtung als eine große Chance gesehen und sich weiter entwickelt. Jetzt ist meine Mutter beruflich sehr erfolgreich. Sie engagiert sich ehrenamtlich in zwei tollen Pankower Vereinen, spielt Improvisationstheater und Volleyball.

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Anja im Eisbärenkostüm samt Familie

Mit 45 wurde meine Mama kurz hintereinander gleich zweimal Oma. Und sie genießt es. Sie ist eine tolle Oma. Ganz anders als ihre Mutter, viel organisierter und pragmatischer. Aber damit ergänzt sie sich mit der Uroma ganz wunderbar. Und sie kauft zur Freude der Urenkel auch mal Hello-Kitty und Filly-Sachen, die es von den Eltern nicht unbedingt geben würde. Das ist das große Privileg der Omas. Was wäre die Welt ohne sie…“

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Anja bei der Arbeit

Wenden wir uns nun gen Westen und schwelgen in ein paar Erinnerungen an das Leben von Katharinas Oma:

„Mit noch fast 60 tourte sie mit ihrem Mann von einer Pfälzer Weinkerwe (Weinfest) zur nächsten und brachte ihre Lieblingsweine am Weinstand an die Menschen. Dabei schickte ihr Mann sie stets vor, um den Wein den Menschen schmackhaft zu machen. „Mach du das ruhig, du kann das mit den Menschen!“

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Der gute Pfälzer Wein

Als ich auf die Welt kam, zog meine Omi mit 80 von den Pfälzer Weinbergen nach Hessen, um sich um mich zu kümmern. Da meine Mutter schnell wieder in ihren Beruf zurückkehrte, übernahm meine Omi die Aufgaben von Füttern, waschen, Windeln wechseln, …

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Katharinas Heimatstraße

Aber auch im hohen Alter zog es sie noch unter die Menschen und so feierte sie ihren 85. Geburtstag in großer Runde. Dabei durfte ihr Lieblingswein natürlich nicht fehlen – ein kleines Gläschen Gesundheit – trank sie übrigens auch noch bis zu ihrem 90. Lebensjahr.“

Und wie erging es Katharinas Mama?

„Mit dem Traum von der Opernsängerin stand meine Mama schon sehr früh als junges Mädchen auf der Bühne. Nach zahlreichen Kirchenauftritten und Arien herauf und herunter, zerplatzte ihr Traum durch einen plötzlichen Stimmbandriss. Doch sie fand einen neuen Weg und entschied sich für die Sekretärinnenschule, wo sie anstatt Musik, das Organisieren, Koordinieren und die Künste der Diplomatie und Stenografie lernte.

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Katharinas Mama mit „Käsekuchen“

Doch auch während ihrer Arbeit als Sekretärin, blieb sie der Kunst und Kultur immer treu. So organisiert sie mit meinem Vater zusammen seit 25 Jahren im Kulturverein „Verzauberwelt Baidergasse“ zahlreiche Konzerte, Ausstellungen und Feste und bringt Menschen die Kultur nahe. Dabei darf der gute Pfälzer Wein natürlich nicht fehlen.

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Katharina mit ihrer Mama

Einmal im Jahr lässt sie es sich auch nicht nehmen, selbst auf die Bühne zu gehen und dann doch schon mal das ein oder andere Liedchen zu trällern und mit Witz und Charme ihre traditionelle Geburtstagsrede zum Besten zu geben.
Und auch wenn meine Mama dann doch jedes Jahr ein bisschen älter wird und die Knochen auch nicht leichter werden, ist, sie immer noch für jeden Spaß zu haben.“

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Katharina (rechts) beim Weinfest mit Pfälzer Wein und traditionellem Lauchkuchen – beeinflusst wird man ja dann doch…

Herrlich, so ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit! Und die Fotos erst, in alten Bildern könnte ich stundenlang stöbern.

Egal, ob nun Ost- oder Westdeutschland, an der Küste oder in den Bergen. Starke Frauen findet man überall, das haben diese Beispiele gezeigt. Jedes Leben birgt Überraschungen und Herausforderungen und alle Frauen können stolz auf ihre Leistungen sein!

Habt Ihr auch schöne Erinnerungen an die Frauen Eurer Familie? Hinterlasst einfach einen Kommentar, wir freuen uns auf weitere spannende Lebensgeschichten!

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Lisa

Phantasie und Ehrlichkeit sind die beiden Eigenschaften, die Lisa an Kindern besonders mag. Während ihrer Zeit als Praktikantin in einem Kindergarten hat sie ihre Liebe zu Spielplätzen, Kinderfilmen und Seifenblasen wieder neu entdeckt. Das Bloggen sieht sie vor allem als Möglichkeit, sich zum Thema Kinder und Familie auszutauschen.

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