Übelkeit in der Schwangerschaft

Viele Schwangere – es sind tatsächlich etwa 70 % – erleben in der frühen Phase der Schwangerschaft auch eher unangenehme Zeichen des Schwangerseins: Ihnen wird schlecht.

Ursachen für die Schwangerschaftsübelkeit

Verantwortlich dafür ist das HCG, ein frühes Schwangerschaftshormon (es ist das Hormon, welches auch in den herkömmlichen Schwangerschaftstests im Urin gemessen wird). Der HCG-Wert steigt in den ersten Wochen der Schwangerschaft steil an und erreicht seinen Höhepunkt um die 8.-10. Schwangerschaftswoche, dann fällt der Wert wieder langsam ab. Etwa denselben Verlauf nimmt die Übelkeit in der Schwangerschaft: Einige Frauen spüren diese schon recht früh, um die 5./6. Woche herum, dann klingt sie um die 12. Woche meistens wieder ab. Während manchen Frauen nur zeitweise „etwas flau im Magen“ wird, leiden andere sehr unter dieser Übelkeit. Nicht selten müssen Frauen sich auch übergeben, einige regelmäßig und in besonders akuten Fällen tatsächlich mehrmals pro Stunde. Es gibt also verschiedene Schweregrade und dementsprechend unterschiedlich ist auch der Leidensdruck.

Übelkeit in der Schwangerschaft gehört einerseits zu den „normalen“, physiologisch erklärlichen Phänomenen, die seit der Antike beschrieben sind. Als es noch keine Labordiagnostik und keinen Ultraschall gab, zählte allein diese Übelkeit zu den medizinisch so definierten „unsicheren Zeichen einer Schwangerschaft“. Für einige Frauen ist es also in dieser frühen Zeit schlichtweg ein Zeichen: Ja, ich bin schwanger, durchaus auch mit der Bedeutung: Es ist alles ok! Nicht umsonst gibt es ja den (etwas schief gereimten) Volksmund-Spruch: „Speiber sind Bleiber“ im Sinne einer stabilen Schwangerschaft.

Wenn die Übelkeit aber nicht hin und wieder mal in morgendlichen Wellen auftaucht und dann verschwindet, sondern ein ständiger Begleiter über den gesamten Tag wird, kann sie wirklich eine ernstzunehmende Beeinträchtigung des Lebensgefühls sein. In der frühen Schwangerschaft gesellen sich ja gerne (ebenfalls normale, aber in der Kombination auch ganz schön anstrengende) Symptome wie Müdigkeit, Schlappheit und emotionale Instabilität dazu. Und die Verbindung all dieser Phänomene ist echt ganz schön anstrengend! Nicht selten stellen Frauen sich dann die naheliegende Frage: Was bitte ist denn am Schwangersein so toll?

Die gute Nachricht: Es geht vorbei! Fast immer. Allerdings besteht bei 10% der betroffenen Frauen die Schwangerschaftsübelkeit weiter fort, bei einigen von ihnen tatsächlich bis zur Geburt. Zum Glück gibt es bewährte Maßnahmen, die Du unternehmen kannst, um die Beschwerden zu lindern.

Was hilft gegen Schwangerschaftsübelkeit?

  1. Finde heraus, was Dir guttut! Zu welchen Zeiten ist es ok? Was löst Übelkeit aus und kannst Du bestimmte übelkeitsfördernde Umstände vermeiden? Einige Frauen bekommen zum Beispiel von Gerüchen anderer Menschen (U-Bahn oder andere Menschenansammlungen) Brechreiz, auch Essensgerüche in der Kantine können ungewohnt intensiv empfunden werden.Vielleicht gibt es ja Tageszeiten, die sich ausmachen lassen, an denen es besonders fies ist. Manchmal hilft ein Mittagsschlaf, manchmal macht das Liegen alles schlimmer. Welche Nahrungsmittel oder Getränke liebst Du? Welche sind gerade furchtbar?
  1. Essen hilft! Fast immer. In der chinesischen Medizin sind es vor allem die warmen Erdgemüse (Kartoffeln, Karotten, Süßkartoffel), die empfohlen werden. Lieber Warmes als Kaltes essen.
  1. Mit einem Snack in den Tag starten! Schon morgens einen kleinen Snack noch im Bett essen (am besten abends schon hinstellen) oder einen Keks, einen Zwieback oder ein Knäckebrot. Am besten zusammen mit einem warmen, leicht gesüßten Tee.
  1. Gönne Dir Ruhe und Entlastung! Auch wenn es sich ungewohnt anfühlt, so unfit und unbelastbar zu sein: Manchmal ist eine Krankschreibung sinnvoll oder schlichtweg notwendig. Sprich mit Deinem Frauenarzt oder Hausarzt. Es hat nichts mit „Anstellen“ zu tun, wenn Du für eine Weile nicht arbeiten gehen kannst – nimm es als Signal deines Körpers, dass es eben gerade nicht anders geht und Du schwanger bist. Auch für Deinen Partner sind diese Informationen wichtig!
  1. Suche Dir eine geeignete Hebammenbetreuung! Auch, wenn es Dir „früh“ vorkommt. Bei jeglichen Schwangerschaftsbeschwerden kannst Du Hebammenhilfe in Anspruch nehmen. Hebammen wissen viel – und es hilft enorm, zu wissen, dass man nicht die einzige ist, der es so schlecht geht. Und, dass es Dinge gibt, die man dagegen tun kann!
  1. Ingwer hilft vielen Schwangeren.
  • Als Tee: 1 EL frischen, klein geschnittenen Ingwer auf einem Liter Wasser 5 Minuten sieden lassen. Mit Honig süßen und schluckweise über den Tag verteilt trinken.
  • Kandierter Ingwer: gibt es oft in Tee- oder Pralinengeschäften. Immer mal ein paar Stückchen knabbern.
  • Als Gewürz in Suppen, Gemüsepfannen, Salat
  • In Scheiben geschnitten zum Lutschen
  • Wer Ingwer gar nicht mag: Zintona ® als Kapseln zum Schlucken enthält Ingwerextrakt.
  1. Vitamin B6 einnehmen! Vitamin B6 hat sich in Studien als wirksames Mittel herausgestellt, muss aber entsprechend hoch dosiert werden. Die Standarddosis ist 3 x 20 mg pro Tag. Die Dosis in gängigen (Schwangeren-)Multivitaminpräparaten reicht hier bei weitem nicht aus!
  1. Akupunktur versuchen: Akupunktur kann auch helfen, muss aber anfangs in recht häufigen Intervallen angewandt werden (täglich bis alle 2 Tage, bei Besserung langsam ausschleichend). Auch hier ist die Hebamme eine geeignete Ansprechpartnerin, aber längst nicht alle Hebammen bieten auch Akupunktur an.
  1. Schulmedizinische Medikamente: In Absprache mit dem Frauenarzt können Gaben von Meclozin (leider in Deutschland schwer erhältlich, laut Embryotox aber das Medikament der Wahl), alternativ Doxylamin erwogen werden. Dimenhydrinat, früher häufig verwandt, wird wegen der Nebenwirkungen (Schläfrigkeit und Erhöhung der Gebärmutterkontraktilität) heutzutage eher zurückhaltend eingesetzt. Auch die Schilddrüsenfunktion sollte überprüft werden, es wird ein Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsübelkeit und einer latenten Schwangerschafts- oder Pseudohyperthyreose diskutiert.
  1. Stationäre Einweisung in Betracht ziehen: Wenn das alles nicht hilft und Du sehr leidest oder auch in ausgeprägten Fällen „nichts mehr drin behalten kannst“, an Flüssigkeit und Gewicht verlierst, ist manchmal eine stationäre Einweisung notwendig, um den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust mit Infusionen auszugleichen. Auch Vitamin B6 wird dann häufig als Infusion eingesetzt. Manchmal ist es auch bei guter ambulanter Betreuung einen Gedanken wert, Infusionen zu Hause durch den Hausarzt, ggf. in Zusammenarbeit mit Deiner betreuenden Hebamme möglich zu machen. Kläre am besten ab, ob das – bei guter sonstiger häuslicher Versorgung seitens des Partners, Familie oder Freunden – eine Alternative sein könnte. Oft geht es Dir schon nach wenigen Tagen deutlich besser. Ein Krankenhausaufenthalt ist wegen mangelnder Privatsphäre, der üblichen Krankenhausroutine, ungewohnter und nicht immer angenehmer Gerüche, Großküchenessen, etc. manchmal nicht unbedingt die erste Wahl, wenn es um gute Erholung geht, kann aber auch eine willkommene „Reißleine“ sein.
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Kareen

Kareen ist mittlerweile seit über 20 Jahren Hebamme. Was sie vorher schon ahnte, haben ihr ihre beiden Töchter täglich aufs Neue gezeigt: Es kommt doch immer irgendetwas anders. Durch ihre Erfahrung hat sie eine große Portion Gelassenheit gewonnen – und die Erkenntnis, dass die Medaille auch mal drei Seiten haben kann.

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