Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft

Wie bei verschiedenen anderen Beschwerden während der Schwangerschaft auch, sind Wassereinlagerungen zu einem gewissen Grad häufig und damit durchaus normal. Durch das Schwangerschaftshormon Progesteron werden sämtliche Körperstrukturen weich und durchlässig. So kann auch Flüssigkeit ins Gewebe sickern und Ödeme (Gewebe-Schwellungen) entstehen. Am Ende der Schwangerschaft kommt noch der Druck auf die Beckenvenen hinzu, sodass sich eine gewisse Lymphstausymptomatik in den Beinen entwickelt – und dann werden vor allem die Beine (aber auch die Hände und Finger) dick. Hübsch sind die Elefantenfüße auch nicht wirklich. Momente des Zweifelns („Sind das wirklich meine Beine? Hatte ich nicht mal Knöchel?“) sind also nicht unüblich.

Manchmal Hinweis auf eine Gestose

Blutdruckmessen bei Wassereinlagerung

Je nach Zeitpunkt (je früher in der Schwangerschaft, umso mehr) und Ausmaß können Wassereinlagerungen aber auch ein Symptom für eine Gestose sein. Der Begriff Gestose steht für sogenannte hypertensive Schwangerschaftserkrankungen und umfasst Krankheiten, die schwangerschaftsbedingt entstehen. Weitere Anzeichen sind die Ausscheidung von Eiweiß über den Urin und ein erhöhter Blutdruck über 140/90. Weil Ärzte und Hebammen dies im Blick haben, ist es deshalb eine der Routineuntersuchungen bei jeder Vorsorge: Einmal ins Töpfchen pinkeln und den Blutdruck messen. Eine echte Gestose ist ein sehr komplexes Geschehen, deren Gründe und Entstehungsmechanismen erst in den letzten 10 bis 15 Jahren intensiver erforscht wurden. Das ist auch der Grund, warum sich manchmal immer noch so viele widersprüchliche Empfehlungen bei diesen Symptomen finden.

Das senkt das Gestose-Risiko

Mittlerweile weiß man auch vieles über sinnvolle prophylaktische Maßnahmen in der ganz frühen Schwangerschaft, also weit vor dem Zeitpunkt, an dem Wassereinlagerungen auftauchen oder zum Problem werden. Beispielsweise gibt es dringende Hinweise, dass eine gute Versorgung mit Vitalstoffen, vor allem mit Vitamin D, Vitamin B6 und Magnesium schon in der frühen Schwangerschaft das Gestose-Risiko wesentlich senken können. Aber keine Sorge: Während leichte Knöchelödeme in den letzten zwei bis drei Schwangerschaftswochen zumindest im Sommer bei ganz vielen Schwangeren anzutreffen und deshalb kaum der Rede wert sind, sind ausgeprägtere Wassereinlagerungen schon einen genauen Blick wert, um es als mögliches Frühsymptom einer Gestose nicht zu übersehen.

Tipps gegen Wassereinlagerungen

Wassereinlagerungen sollten also ein Anlass sein, um zu schauen, dass die Symptome nicht schleichend schlimmer werden – und da kannst Du etwas Sinnvolles und Effektives tun! Im Wesentlichen sind es zwei Dinge, die über die Ernährung gut zu steuern sind.

  1. Ausreichend Eiweiß zu sich nehmen

Schwangere Frauen, zumindest aber Schwangere, die gestotische Symptome entwickeln, sollten etwa 100 Gramm Eiweiß pro Tag zu sich nehmen. Wenn eine Eiweißausscheidung über den Urin dazukommt, ggf. auch mehr.

Zur Orientierung findest Du hier eine kleine Übersicht eiweißreicher Nahrungsmittel:

  • Tofu: 15 g / 100 g
  • Hartkäse: 25 – 30 g / 100 g
  • Erdnüsse, Mandeln: 20 g / 100 g
  • Bohnen: je nach Sorte 20 – 24 g / 100 g
  • Fleisch: je nach Sorte 15 – 20 g / 100 g
  • Fisch: je nach Sorte bis 13 (Pangasius) – 30 (Räucherlachs, Makrele) g / 100 g
  • Mozzarella: 19 g / 100 g
  • Quark: 13 g / 100g

Zum Vergleich: Milch hat mit 4 Gramm pro 100 Milliliter, Joghurt mit nur 3 Gramm pro 100 Milliliter einen vergleichsweise niedrigen Eiweißgehalt und ist daher zumindest nicht geeignet, den Eiweißgehalt in der Nahrung relevant zu steigern.

Es ist möglicherweise – je nach Disziplin und bisherigen Essgewohnheiten – gar nicht so einfach, allein über das „normale Essen“ konsequent und jeden Tag (!) auf diese Eiweißmenge zu kommen. Wer isst schon 500 Gramm Mandeln oder 4 ganze Mozzarellakugeln am Tag? Eine gute Ergänzung können daher auch Eiweißshakes sein, um morgens und/oder abends eine gewisse Menge gut verfügbaren Eiweißes zu sich zu nehmen. Die Eiweißshakes (Molke oder Soja sind die geläufigsten) gibt es mittlerweile in jedem Drogeriemarkt zu kaufen, meistens ist sie als „Sportlernahrung“ deklariert.

Gleichzeitig sollten kurzkettige Kohlenhydrate (Weißmehl und Zucker – also Brötchen, Kuchen, Kekse, viele Fertiggetränke wie Limo, Eistee, Instant-Cappucchino und natürlich Süßigkeiten) möglichst vermieden werden. Und ja, ich weiß, das ist hart – aber eben wichtig.

Eiweiß gegen Wassereinlagerung

  1. Ausreichend Salz zu sich nehmen

Das Salz fungiert als wichtiger osmotischer Motor, sodass das Wasser im Gefäßsystem gehalten wird (da, wo es hingehört) und nicht ins Gewebe sickert (da, wo es nicht hingehört).

Die Menge des benötigten Salzes (normales Kochsalz, Meersalz, Himalayasalz, was Ihr wollt – nur ohne Fluorid und Jod!) hängt vom Körpergewicht ab:

  • Frauen bis 75 kg: 4-6 g zusätzliches (!) Salz
  • Frauen bis 85 kg: 8-12 g
  • Frauen über 85 kg: 12-18 g Salz

1 Teelöffel Salz sind etwa 6 g. Am besten füllt man die Gesamtmenge des Salzes morgens in eine Flasche Wasser und trinkt sie schluckweise über den Tag verteilt aus. Diese beiden Maßnahmen – ausreichend Eiweiß mit reduzierten kurzkettigen Kohlenhydraten und ausreichend Salz – setzen direkt an der Ursache der Ödeme an. Sie sind deshalb besonders wichtig.

Weitere Tipps gegen Wassereinlagerungen

Alles andere ist so gesehen eher „Kosmetik“ – aber auch entlastend:

  • Kompressionsstrümpfe: Umständlich anzuziehen, entlasten die Venen und das Lymphsystem in den Beinen aber spürbar. Werden in der Schwangerschaft von den Ärzten bei Bedarf als „Heil- und Hilfsmittel“ verordnet und von den Krankenkassen bezahlt.
  • Salzbäder (einfach Meersalz aus dem Drogeriemarkt nach Dosierung ins Badewasser geben): Vollbäder in der Badewanne oder Fußbäder im (möglichst tiefen) Eimer. Diese wirken ähnlich wie Kompressionsstrümpfe über den onkostatischen Druck des Wassers. Genau wie Schwimmen gehen – herrlich schwerelos …
  • Wo immer es geht: Beine hochlegen, dann ist der Rücktransportweg für das Wasser „nach oben“ nicht so weit.
Nicht empfehlenswert

Was man hingegen auf keinen Fall tun sollte – diese veralteten Maßnahmen sind aber irgendwie nicht totzukriegen und tauchen immer noch in einigen Empfehlungen auf:

  • Obst- und Reistage einlegen: Die sind praktisch salz- und eiweißfrei. Kurzfristig (am nächsten Tag) bringen sie eine leichte Entlastung, um mittelfristig die Symptomatik nur noch mehr zu verschlimmern.
  • Entwässern: Auch nicht mit „natürlichen“ Mitteln wie Brennnessel- oder Zinnkraut-Tee. Sie schwemmen zwar Wasser aus, aber nicht aus dem Gewebe, sondern aus dem Blut (das ja über die Nieren abfiltriert und dann ausgeschieden wird). Was ebenfalls alles schlimmer macht.

Weiterführende Tipps und Literatur findet Ihr bei www.gestose-frauen.de

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Kareen

Kareen ist mittlerweile seit über 20 Jahren Hebamme. Was sie vorher schon ahnte, haben ihr ihre beiden Töchter täglich aufs Neue gezeigt: Es kommt doch immer irgendetwas anders. Durch ihre Erfahrung hat sie eine große Portion Gelassenheit gewonnen – und die Erkenntnis, dass die Medaille auch mal drei Seiten haben kann.

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